Greibers Woche – KW 43/2020

Kranz der Gemeinde Wadgassen zur Gedenkfeier in Gurs, 2010

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

die ‚Corona‘-Pandemie hält uns - wie das bereits zu erwarten war - weiter in Atem. Es zeigt sich zumindest an den momentan dauerhaft ansteigenden Infektionszahlen im Saarland. Auch uns im Landkreis Saarlouis, der seit letzten Freitag 11 Uhr als Krisengebiet eingestuft wurde, hat es nun getroffen - auch wenn die akuten Infektionen und Quarantänen innerhalb der Gemeinde Wadgassen derzeit noch moderat sind. Für unsere Gemeinde bedeutet das, dass wir umso mehr wachsam sein müssen, um in Wadgassen keine kritischen Infektionszuwächse zu bekommen. Seitens der Gemeindeverwaltung habe ich den seit Mai ausgesetzten Krisenstab bereits in der vergangenen Woche wieder aktiviert, der bereits zweimal am letzten Freitag tagte.

Die Lage war über das Wochenende mehr als verwirrend. Mangels klarer und durchschaubarer ‚Corona‘-Regelungen haben wir zunächst die Verfügung des Landkreises vom Freitag über Web und Facebook veröffentlicht und umgesetzt. Zwischen Freitagnachmittag und der finalen Verfügung der Landesregierung am Sonntag gab es mehrere, teils widersprüchliche Veröffentlichungen die nicht nur alle Bürginnen und Bürger verwirrte.

Historische Abbildung aus Greibers Woche, Ausgabe 43/2020, Bild 2

Final trat nun die letzte Verordnung am Sonntag erst um 20.00 Uhr in Kraft - auch eine der Kuriositäten, die sich einem nicht immer auf Anhieb erschließen müssen. Aber sei‘s drum, wir haben eine eigene Zusammenstellung des Wesentlichen der aktuell gültigen Bestimmungen in einer eigenen Seite im Inneren dieser Ausgabe der Wadgasser Rundschau zusammengestellt und zusätzlich um einige an uns gestellte Fragen und Antworten ergänzt.

Dabei fällt vor allem auf, dass die Einführung der generellen Sperrstunde um 23 Uhr problematisch ist. Auch ich habe hier meine Zweifel, ob die Maßnahme zielführend ist und ob die Sperrstunde nicht eher zur Verdrängung ins Private führt. Also genau das erreicht, was wir eigentlich verhindern wollen. Ich kenne viele verantwortungsvolle Gastronomen, die gute Hygienekonzepte haben und auf die Einhaltung der Regeln achten, teilweise sogar weiter gehen als vorgeschrieben. Wir sollten also alle gemeinsam - trotz Sperrstunde - gerade in der kommenden Zeit unterstützen. Sei es durch den Besuch der Lokale oder dass wir auf die Lieferdienste unserer Gastronomen zurückgreifen. Denn nur dann kann die Gastronomie auch in unserer Gemeinde den Winter überleben und wir können den kommenden Sommer in den Biergärten oder Terrassen genießen.

Die ‚Corona‘-Zahlen für Wadgassen sehen in dieser Woche folgendermaßen aus: Mit 7 infizierten Personen und 19 Kontaktpersonen in Quarantäne lassen sich die steigenden Infektionszahlen auch in Wadgassen belegen.

Historische Abbildung aus Greibers Woche, Ausgabe 43/2020, Bild 3

Coronakurve für Wadgassen für die Kalenderwoche 43 (Eigenermittlung der Zahlen) Das sollte Ansporn und Verpflichtung sein, die geltenden Regeln und Hygienemaßnahmen zu beachten und umzusetzen.

Aber Corona hat auch ganz andere Auswirkungen. Ursprünglich war für diese Woche geplant, dass ich mit der saarländischen Delegation um Bürgermeister a.D., Martin Silvanus aus Rehlingen-Siersburg, nach 10 Jahren die Gemeinde Wadgassen erneut beim Gedenktag in Gurs vertrete.

Historische Abbildung aus Greibers Woche, Ausgabe 43/2020, Bild 4

Denn 2020 jährt sich zum 80ten Male die Deportation und Ermordung jüdischer Bürger aus unserer Heimat in die Lager nach Gurs, Drancy und Rivesaltes in Frankreich. Die Gemeinde Wadgassen sendet seit langer Zeit jährlich einen Blumenkranz zum Gedenken an die ermordeten Bürger aus Wadgassen nach Gurs.

Die ursprünglich für dieses Jahr dort geplante Teilnahme einer saarländischen Delegation an der Gedenkfeier, fiel leider wegen der momentanen Pandemie-Lage aus. Mit dem 2018 der Öffentlichkeit vorgestellten ‚Mahnmal gegen das Unrecht‘ am Gedenkort Spurker Friedhof (vgl. auch die Titelseite dieser Ausgabe der Wadgasser Rundschau) erinnern wir uns dieser Tage besonders der jüdischen Bürger des Wadgasser Raums, die unmittelbar dort oder durch weitere Deportation nach Auschwitz ermordet wurden. Sie kamen zusammen mit 6540 jüdischen Bürgern aus dem Saarland, der Pfalz und Baden war den menschenverachtenden Strapazen der Deportation und den unmenschlichen Zuständen im Lager Gurs nicht mehr gewachsen und wurde nach erneuter Verlegung in das benachbarte Lager Rivesaltes ermordet. Als Entgegnung zu den Anfeindungen, die gegenüber dem von mir initiierten und mit Zustimmung des Gemeinderates umgesetzten Mahnmals am Gedenkort Spurker Friedhof möchte ich den Abdruck von obigem Zeitdokument anlässlich des genannten Jahrestages verstanden wissen. Es darf niemals mehr solches Unrecht, solche Verachtung und Vernichtung menschlichen Lebens geben. Wir sind alle dazu aufgefordert, aktiv dazu beizutragen. Am Gedenkort Spurker Friedhof werden während der kommenden Wochen des Gedenkens aktualisierte Informationen und Hintergründe im Gedenkraum präsentiert. Wir werden dazu entsprechende Informationen in der Wadgasser Rundschau veröffentlichen. am 22. Oktober 1940 im Rahmen der vom damaligen NS-Gauleiter Bürckel groß angelegten Ausweisungs-, Verrichtung- und letztlichen Ermordungsaktion zunächst in das Lager Gurs, Drancy, dann nach dem benachbarten Lager Rivesaltes und schließlich nach Auschwitz. Niemand überlebte! Ausschnitt Faksimile: Totenliste für das Lager Rivesaltes, Frankreich a. d. Jahre 1956 Auf dem hier beigegebenen Ausschnitt des Faksimiles einer Liste der Ermordeten des Lagers Rivesaltes, die aus dem Jahre 1956 stammt, liest man unter Nummer 12 Sally Nußbaum, 28.04.96 [Geburtsdatum], Differten Saar, 7.7.41 [Sterbedatum], Differten [letzter Wohnort] Von Sally Nußbaum aus Differten, ganz in unserer greifbaren Umgebung ist hier die Rede, 46 Jahre. Sally Nußbaum

Herzliche Grüße

Sebastian Greiber

Bürgermeister