Greibers Woche – KW 39/2015

Historische Abbildung aus Greibers Woche, Ausgabe 39/2015, Bild 1

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

vorsorglich hat die Gemeinde Wadgassen in der vergangenen Woche eine Containeranlage auf dem Marktplatz Schaffhausen errichten lassen. Diese bietet Platz für bis zu 150 zu betreuenden Kindern - und nicht Flüchtlingen.

Der Umbau und die Sanierung der Gebundenen Ganztagsschule in Wadgassen sind größtenteils fertiggestellt. Die Gemeinde stellt nun den Bau für die Kinder des Kindergartens „Zu den heiligen Schutzengeln“ in Schaffhausen für eine eventuell notwendige Nutzung zur Verfügung. Wann und in welchem Umfang dies erforderlich wird, ist momentan noch nicht abzusehen.

Die Wertstoffcontainer verbleiben an ihrem angestammten Platz und selbstverständlich wurde so geplant, dass alle Veranstaltungen und Feste weiterhin auf dem Markplatz stattfinden können - dies war auch mit den verantwortlichen vor Ort so abgesprochen.

Ich bin aber schockiert, welche Welle sich seit dem Umsetzen der Container von der Abteischule auf den Schaffhauser Marktplatz, in unserer Gemeinde verbreitet hat. Unzählige Anrufe, Nachrichten über soziale Medien und viele Gespräche, mit dem Tenor „Wir wollen keine Flüchtlinge auf unserem Marktplatz!“ oder „Das muss verhindert werden!“.

An Stammtischen oder aus sonstigen „verlässlichen Quellen“ werden die wildesten Spekulationen ausgetauscht, wie viele Flüchtlinge denn in Zukunft auf dem Schaffhauser Marktplatz untergebracht werden - dabei ist bereits seit längerer Zeit klar, dass die Container nach der Schaffhauser Kirmes dort aufgebaut werden, um für einen möglichen Neubau des Kindergartens für die Kinder einen provisorischen Kindergartenbetrieb aufrechtzuerhalten.

Aber selbst wenn wir die Container hierzu nutzen würden. Was spricht dagegen? Wäre es den „besorgten Bürgern“ lieber Turnhallen zu belegen? Sicher nicht. Natürlich sind die in Wadgassen untergebrachten syrischen Flüchtlinge nicht alle Engel - die Mitbürger der Gemeinde Wadgassen aber auch nicht. Das zeigen mir allein jeden Monat die Auswertungen der Raser, Falschparker oder der ganze illegale Müll, den unsere Mitarbeiter mühsam einsammeln und auf Steuerzahlerkosten entsorgen.

Historische Abbildung aus Greibers Woche, Ausgabe 39/2015, Bild 2

Hin und wieder höre oder lese ich „Ich bin ja nicht gegen Ausländer, aber…“ - Was aber? Welcher konkrete Nachteil oder Beeinträchtigung hat sich für einen Mitbürger in unserer Gemeinde in den letzten 18 Monaten ergeben? Nicht ein einziger!

Stattdessen wird pauschal und wild spekuliert und die anwesenden Flüchtlinge direkt mit Diebstählen oder anderen Vorkommnissen in Verbindung gebracht. Ich glaube, Flüchtlinge die wenige Tage oder Wochen hier sind, haben sicher andere Sorgen, als Autoräder zu stehlen.

Oder wenn ich lese, dass „die Deutschen im Krieg nicht ihr Land verlassen hätten, sondern es verteidigt und wieder aufgebaut hätten…“, daher wären die Syrer „… keine Flüchtlinge, sondern Deserteure“, zeigt welcher Geist hinter solchen Aussagen steckt. Denn dann wird das Leid und das Schicksal der unzähligen deutschen jüdischen und politisch verfolgten Mitbürger - auch aus unserer Gemeinde - mit Füßen getreten und versucht die Geschichte auf den Kopf zu stellen.

Natürlich bringen die derzeit rund 130 in unserer Gemeinde lebenden Flüchtlinge auch neue Herausforderungen für uns mit. Ob die Sprache oder die anderen kulturellen Wurzeln sind eine Herausforderung für eine gelungene Integration.

Die letzten Monate machen mir aber Mut, dass uns das gelingen kann. Viele ehrenamtliche und freiwillige Helfer packen mit an - für die Flüchtlinge und unsere Gemeinde!

Sie zeigen, dass in Wadgassen die Kriegsflüchtlinge aus Syrien willkommen sind. Ihnen allen ein herzliches Dankeschön!

Herzliche Grüße

Sebastian Greiber

Bürgermeister